Geschichte(n) per Radumdrehungen erleben

Als «Sonderfall der Schweizer Agrar- und Kulturgeschichte» prägen Klosterhöfe bis heute die Rottaler Kulturlandschaft südöstlich von St. Urban.

von Werner Stirnimann

Mit mächtigen Scheunen und stattlichen, ebenfalls gemauerten Wohnhäusern lassen sie sich weder dem Luzerner noch dem Berner Bauernhausstil zuordnen. Ihre gewaltigen Mauern, Rundbögen und Dachkonstruktionen laden dazu ein, im Rahmen einer rund acht Kilometer langen Velotour gleichzeitig Historisches wie auch Innovationen in der Landwirtschaft zu entdecken.

1848 erfolgte ein grosser Einschnitt
Die heute noch bestehenden Klosterhöfe entstanden durch spezielle Bewirtschaftungsformen des Zisterzien­serklosters Sankt Urban zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Teils waren seit ihrer Fertigstellung erst ein paar Jahre vergangen, als das Kloster 1848 durch die Luzerner Regierung aufgehoben wurde. Denn sowohl Mobilien des barocken Klosters wie auch der Verkauf der imposanten Klosterhöfe eigneten sich bestens, um Kriegsschulden des von den katholischen Orten verlorenen Sonderbundkrieges im Jahr zuvor zu begleichen. Einiges davon, wie z.B. das berühmte Chorgestühl, kann zum Glück schon längst wieder in St. Urban besichtigt werden. Auch drei Klosterhöfe befinden sich heute wieder in öffentlichem Besitz.

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Seit 300 Jahren barockes Kloster
Im Dezember 1717 wurde in St. Urban die barocke Klosterkirche eingeweiht, was den Höhepunkt langjähriger und radikaler Erneuerungsarbeiten darstellte. Während eine Abbildung von 1630 noch Scheunen, Rossstall sowie Kuh- und Ochsenställe innerhalb der Klostermauern zeigt, waren solche Anlagen in der zum reformierten Kanton Bern hin ausgerichteten Barockanlage nicht mehr enthalten. Mit der Verbannung der Landwirtschaft aus der Klosteranlage und dem Neubau der Klosterhöfe in Etappen erhielt die Rottaler Kulturlandschaft rund um St. Urban weitgehend ihre heutige Gliederung.

Auf den Spuren der Mönche durch die Landschaft
Die Klosterhöfe sind bei Weitem nicht das Einzige, was sich rund um das Kloster aus alten Zeiten entdecken lässt. Bis heute wird die Landschaft auch von einem recht komplexen Gewässersystem durchflossen und es finden sich verbreitet Spuren der ehemals ausgedehnten Wässermatten und Karp­fenteichanlagen. Wie bereits im Mittelalter gibt es auf der Roggwiler Seite der Rot noch heute eine Ziegelei, mit einer von weither sichtbaren Lehmgrube direkt am Fuss des Hagelbergwaldes. Gleich wie mehrere Klosterhöfe ist diese vom Grenzpfad Napfbergland aus einsehbar. Andere Klosterhöfe wie Murhof und Neuscheuer sind mittels eines Umwegs oder einer Velotour zu entdecken (siehe entsprechende Übersicht). Am besten per Velo erfahrbar ist auch der Berner Teil der Rottaler Kulturlandschaft, deren Gliederung ebenfalls auf einstige Klosterhöfe zurückgeht. Im heutigen Untersteckholzer Weiler «Kleinroth» wurde das Kloster im Jahr 1194 sogar gegründet, worauf die Mönche allerdings schon sehr bald hinunter ins damalige «Tundwil» (heutiges St. Urban) zogen.

Klosterhöfe: Zeugen einer uralten Entwicklung
Zu den Anfängen der Klosterhöfe der 1194 gegründeten Abtei St. Urban schreibt Waltraud Horst 1995 Folgendes: «Zisterzienserklöster sollten und mussten sich zumindest in der Gründungszeit durch eigenhändige Nahrungsmittel- und Handwerksproduktion ernähren. Als für den rasch wachsenden Güterbesitz eine komplexer organisierte Eigenwirtschaft unabdingbar wurde, entstanden die Grangien. Sie bildeten im näheren und weiteren Umkreis eines Klosters selbstständige Wirtschaftseinheiten unter der Leitung von Konversen, den Laienbrüdern. Im Lauf des 13./14. Jahrhunderts mussten jedoch auch die Zisterzienser zur Arbeitskraft der Eigenleute, Lehensleute und Lohnarbeiter greifen.

Zitierte Quellen: Waltraud Hörsch, 1995, Heimatkunde des Wiggertals; Sankt Urban 1194–1994, erschienen im Benteli Verlag Bern. Willisauer Bote
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Auf Rädern unterwegs in der Region

Ein Flyer-Fahrer, ein Biker und ein «Gümmeler» aus der WB-Region erzäh­len von ihren schnellen Zwei­rädern und liebsten Routen.

«Mit den Senioren 60+ unternehmen wir acht Mal im Jahr eine Velotour. Die letzte führte uns nach Nebikon und via Gläng nach Ohmstal. Dann ging es weiter über den Bodenberg in die Kället. Vorbei am Wergigen und über den Esch erreichten wir wieder Altishofen. Bei der Familie Kneubühler in der Kället und im Restaurant Sonne, Ebersecken, machten wir eine Kaffeepause. Wir vom Organisationsteam achten darauf, eine machbare Strecke auszuwählen. Alle zehn bis fünfzehn Teilnehmer sollen mithalten können und Spass haben. Die Flyer-Fahrer sind bei uns bereits in der Überzahl. Es ist halt schon ‹gäbig›, so ein Motor. Hügel von bis zu zehn Prozent Steigung überwindet man problemlos. Nach einer Hüftoperation vor 2½ Jahren hatte ich stets Schmerzen beim Velofahren. Jetzt bin ich mit einem E-Bike unterwegs und beschwerdefrei. Nein, ich würde ihn nicht mehr hergeben, meinen Flyer. Meine liebste Velotour? Die führt von Altishofen über die Flüeggen, Esch und Fronhofen nach Eppenwil und schliesslich zum Bellevue, wo man eine phänomenale Aussicht auf den Jura hat. Dann geht es über die Grossdietwiler Allmend zur Käserei auf dem Bodenberg, weiter nach Ohmstal und dann an der Luther entlang zurück nach Hause. Unterwegs kehren wir jeweils im Kurhaus Ohmstal ein. Das gehört auch dazu.»

Ferdi Steinmann, 72, Mitorganisator der Velotouren von 60+ Altishofen, wohnhaft in Altishofen

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«Momentan bin ich in Payerne in der Rekrutenschule als Fliegersoldat und kann deswegen nur am Wochenende meinem Hobby nachgehen. Vor Beginn des Militärs trainierte ich drei bis vier Mal die Woche. Wenn kein Rennen anstand, kam ich so wöchentlich auf zirka vier Stunden, vor Rennen auf bis zu 14 Stunden. Mein Mountainbike ‹Scott Scale› ist ein Hardtale und hat vorne eine Federgabel. Im Vergleich zu einem ‹Fully›, das zusätzlich über eine Hinterradfederung verfügt, erfordert es eine ausgeklügeltere Technik, ist dafür aber direkter und energieeffizienter. Neben dem Bike steht bei mir noch ein Strassenvelo im Keller. Damit bin ich am liebsten in den Regionen Sempachersee, Seetal und Emmental unterwegs. Mit dem Bike zieht es mich meistens auf unseren Hausberg, den Santenberg, oder ins Napfgebiet. 2014 nahm ich das erste Mal in einem 8er-Team am 24-Stunden-Rennen teil. In den zwei Folgejahren trat ich erneut an, dann aber zu sechst. Den Event sah ich immer als Plauschwettkampf an. So habe ich mich auch nie speziell darauf vorbereitet. Wenn ich hingegen auf ein Rennen hin trainiere, halte ich mich an einen strikten Plan. Das Prinzip der Superkompensation bildet die Basis. Dabei plant mein Trainer die Häufigkeit, Intensität, Dauer und Form des Trainings so, dass ich eine kontinuierliche Verbesserung der Leistungskurve erziele. Eine schöne Abendroute nach getaner Arbeit führt von Schötz der Wigger entlang nach Willisau zur Badi, dann den Stutz rauf und anschliessend nach Ettiswil zum Schiessplatz und zurück nach Schötz.»

Ronny Bossart, 19, Student und J+S-Coach, Mitglied des Veloclubs Schötz, wohnhaft in Schötz. Seine Route lässt sich hier nachschauen.

«Meistens schwinge ich mich einmal wöchentlich am Montagabend mit den anderen Mitgliedern des Veloclubs Dagmersellen auf den Sattel meines Rennvelos. Es ist ein Modell der italie­nischen Marke Colnago. Dann gehts in alle möglichen Himmelsrichtungen, etwa ins Seetal, in die Napfregion oder nach Solothurn. Die Touren dauern bis zu 2½ Stunden und können 60 bis 65 Kilometer lang sein. Zusammen mit Daniel Egli plane und führe ich als Sportchef die Trainings. Ich achte darauf, eine angemessene Geschwindigkeit anzuschlagen, bei der alle mithalten können. Am Berg fährt jedes Mitglied sein individuelles Tempo. Ansonsten fahren wir geschlossen als Einheit. Am Montagabend bilden wir jeweils drei Leistungsteams, damit sich das Gefälle innerhalb der Gruppe in Grenzen hält. Momentan trainiere ich auf keinen Event hin. Ich mache es als rein sportlichen Ausgleich zum beruflichen Alltag als Projektleiter, Kantonsrat und Gemeindepräsident von Dagmersellen. Meine Lieblingstour auf dem Rennvelo geht rund um den Napf, führt von zu Hause über Schötz und Willisau nach Menznau, Wolhusen und ins Entlebuch. Von dort geht es weiter nach Schüpfheim, Escholzmatt, Trubschachen, Langnau im Emmental und nach Huttwil. Von der Berner Grenzgemeinde fahre ich dann jeweils wieder zurück ins Luzerner Hinterland nach Zell, Gettnau und schliesslich nach Dagmersellen.»

Philipp Bucher, 52, Vorstandsmitglied und Sportchef im Veloclub Dagmersellen, wohnhaft in Dagmersellen

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Wo Berner und Luzerner sich die Hände reichen

Vor ein paar Wochen hat der Verein Luzerner Wanderwege seinen neuen Wanderführer herausgegeben. Die CKW unterstützt den Verein als Hauptsponsor. Bereits ist die gedruckte Version vergriffen. Eine Tageswanderung aus der näheren WB-Region stellen wir Ihnen hier vor:

Lüderenalp – Hochänzi – Napf – Holzwäge

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Die Wanderung ist rund 17 Kilometer lang und dauert rund fünfeinhalb Stunden. In stetem Auf und Ab geht es auf dem Höhenweg in Richtung Napf, vorbei an Landwirtschaftsbetrieben, Alpen und Wäldern. Immer wieder kann die grandiose Aussicht in alle Richtungen genossen werden. Zum Schluss steigen wir ab nach Holzwäge im Entlebuch.

Der Link auf der Route Schweizmobil gibt es hier.

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Weitere Infos unter http://www.luzerner-wanderwege.ch.

Biken in und um Menznau

Eine empfehlenswerte Bikeroute-Empfehlung des Menznauers Elias Häfliger (19) mit Start-und Ziel: Kirchenplatz Menznau

Die Tour führt über die Sonnhalde Richtung Geiss. Dort angelangt geht es den Hügi hoch. Danach führt ein Feldweg bis hin zum Galgenwald. Man fährt auf einem Waldweg entlang bis nach Buholz. Anschliessend fährt man auf asphaltierter Strasse bis zum Voremwald und biegt dann links ab Richtung Soppensee. Bei einer Verzweigung fährt man Richtung Soppensee-Wald. Nun fährt man durch den Wald bis nach Tambach. Danach links hoch zum Bauernhof Jungholz. Beim Hof angelangt, geht es den Wald hinunter bis zur Asphaltstrasse. Anschliessend über Blochwil in den Hinterrötelberg. Schlussendlich über das Ried Richtung Herrenwaldstrasse. Im Unterdorf angelangt, geht es zurück zum Kirchenplatz.

Besonders lohnenswert
Die schöne Aussicht vom Galgenberg auf den Soppensee. Viele tolle Feld- und Waldwege.

Dauer und Länge
Die Strecke ist 16 Kilometer lang. Man benötigt rund 60 bis 90 Minuten.

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Im Land der Geländeschikanen

*von Thomas Widmer

Wir sind zu viert, es nieselt, als wir in Romoos, Post aus dem Bus steigen. Ein Startkafi drängt sich auf, das Kreuz hat offen, schön so. Das letzte Mal, als ich dort einkehrte, sassen am Nebentisch Goldsucher: Ein Führer aus der Gegend und Leute aus der Stadt, die unten an einem der Bäche Gold gewaschen hatten; dafür sind die Gewässer am Napf bekannt. Ob das Team reich geworden war, erschloss sich mir nicht. Die Leute sahen jedenfalls zufrieden aus. Als wir wieder ins Freie treten, nässt es immer noch, wir montieren Regenjacken und Hüte und ziehen los, dem Napf entgegen. Der Anfang ist leicht, ein sanfter Aufstieg nach Oberlingetli und Schwändi. Dann eine jener Geländeschikanen, für die das Land am Napf berühmt ist; es ist zerschnitten von tiefen Gräben. Wir müssen hinab zum Goldbach, bevor es wieder aufwärts geht mit uns. Immerhin wird uns dabei warm.

Wie bei Hieronymus Bosch

Wir gehen bald auf einem Höhenzug. Nach dem Breitäbnet, zum Punkt Änzilegi hin, wird der Pfad im Wald plötzlich schmal, die Baumwurzeln im Boden sind glitschig, der Wind rüttelt und schüttelt uns, das ist abenteuerlich – und hiermit kommt in dieser Kolumne der Moment, in dem ich etwas zum Thema Sicherheit sage: Erstens gehe man, schon gar nicht zu dieser Jahreszeit, allein auf solchen Wegen. Und zweitens gibt es Alternativen: Wer von Romoos her via Holzwäge und Goldsitenegg oder von Menzberg her via Oberwaldegg und Gmeinalp läuft, gelangt einfacher, ja problemlos auf den Napf.

Bei der Stächelegg wieder einmal Staunen über den gewaltigen Geländeabbruch zur Rechten, diesen Teufelskessel der Natur. Nebelfetzen steigen aus der Tiefe auf, glatt geschmirgelt wirkten die senkrechten Fluhen, der Abgrund wirkt wie von Hieronymus Bosch ersonnen. Im Sommer würden wir gruselnd verweilen, doch eben, es ist kalt, und so gehen wir zügig weiter. Kurz darauf schält sich ein verwitterter Holzkasten aus dem Nebel: das Gipfelgasthaus auf dem Napf. Wir treten ein, freuen uns: Wir sind allein in der Wirtschaft!

Okay, ich gebe es zu, der letzte Satz war gelogen. Man ist auf dem Napf eigentlich nie allein, der Berg geniesst die kultische Verehrung der Wanderer ebenso wie der Biker, er zieht viel Volk an bei jedem Wetter. Immerhin sitzen da ausnahmsweise nicht allzu viele Leute. Wir nehmen eine Schweinsbratwurst mit Pommes frites und hernach die Meringue. Dann einen Kafi Schnaps, einer liegt drin, mehr nicht, denn im Folgenden ist Trittsicherheit gefragt.

Klein Einsiedeln im Luzernischen

Kupiert der Schlängelweg durch den Wald hinab zur Trachselegg. Und wieder die Sicht auf benachbarte Eggen und offene Nagelfluh und alles im verzaubernden Dunst. Gegen das Mittelland zu ist der Horizont offen. Mitteley, Vorey, dann langen wir in Luthern Bad an. Wann der Bus zum Bahnhof Zell fährt, haben wir im Voraus geklärt und dabei Zeit für eine Schlusseinkehr eingeplant. Sowie für die Visite in der Kirche Maria Heilbronn. Sie ist ein Wallfahrtsziel, wie überhaupt Luthern Bad als Einsiedeln des kleinen Mannes, der kleinen Frau gilt; an jenem Schwyzer Vorbild misst man sich. Die hübsche Geschichte dazu: Als in Luthern Bad vor mehreren Hundert Jahren die heilsame Quelle zu fliessen begonnen habe, soll in Einsiedeln das Wasser aus einer der 14 Brunnenröhren versiegt sein.

++ Route: Romoos, Post (Bus ab Bahnhof Wolhusen) – Weierhüsli – Oberlingetli – Schwändi – Goldbach – Unterlänggrat – Oberlänggrat – Breitäbnet – Änzilegi – Stächelegg – Napf – Alp Trachselegg – Mitteley – Luthern Bad (Bus nach Zell, Bahnhof; unbedingt Fahrplan konsultieren, wenige Kurse!).

Wanderzeit/Höhendifferenz: 4 3/4 Stunden. 862 Meter aufwärts, 774 Meter abwärts. GPX-Datei hier. Im Unterschied zu dieser Hauptvariante sind die beiden folgenden Varianten erstens etwas kürzer und zweitens technisch einfacher.

Variante 1: Romoos – Weierhüsli – Säumettle – Fuchsenegg – Holzwäge – Goldsitenegg – Änzihüsli – Oberänzi – Änzilegi. Ab hier wie in der Hauptvariante zum Napf und hinab nach Luthern Bad. Total 4 1/4 Stunden. 757 Meter aufwärts, 675 Meter abwärts. GPX-Datei hier.

Variante 2: Menzberg – Oberlehn – Oberwaldegg – Gmeinalp – Chrothütte – Stächelegg. Ab hier wie in der Hauptvariante zum Napf und hinab nach Luthern Bad. Total 4 Stunden. 609 Meter aufwärts, 746 Meter abwärts. GPX-Datei hier.

Wanderkarte: 234 T Willisau, 1:50’000.

Charakter: Grandioses Hügelland mit nicht zu unterschätzenden Passagen, steil, kupiert, glitschig. Auf keinen Fall weiche man vom Weg ab, gefährliche Tobel.

Höhepunkte: Die urweltliche Stächeleggfluh. Die Ankunft auf dem Napf, die Meringue im Gasthaus. Kinder: Machbar, doch muss man sie beaufsichtigen.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Romoos, Kreuz: Mo Ruhetag. Napf, Gipfelgasthaus: Bis Ende November durchgehend offen, danach Mo Ruhetag. Luthern Bad, Hirschen: Mo Ruhetag.

*Thomas Widmer ist Journalist beim „Tages-Anzeiger“. Er schreibt wöchentliche Wanderkolumnen, veröffentlicht Bücher und betreibt den Blog „Widmer Wandert Weiter“.

Bahndorf ohne Bahn

von Thomas Widmer*

Ich mag Ausflüge mit einem Ziel, über das man zuvor einiges in Erfahrung gebracht und gelesen hat. Am Sonntag fuhr ich nach Altbüron und beschaute mir dort die Reste der Langenthal-Wauwil-Bahnlinie; diese Bahn, wohlgemerkt, fuhr nie. 1874 begann die Schweizerische Centralbahn mit den Bauarbeiten, die neue Verbindung hätte die Strecke Bern-Luzern entscheidend verkürzt. Ein Jahr später stellte man die Arbeiten aber schon wieder ein, schuld waren unter anderem Finanzierungsprobleme. Da war der Staltentunnel zwischen Altbüron und Ebersecken bereits auf 1300 von 2100 Metern gegraben. Auf der Seite von Altbüron sieht man den vermauerten Tunneleingang, daneben führt eine Treppe zu einem Wasserreservoir. Des weitern ist am Dorfrand deutlich der alte Bahndamm zu erkennen. An einer Stelle führt er über eine Strasse, die fein manierlich in einer Unterführung verschwindet. Interessant, Altbüron ist ein Bahndorf ohne Bahn. Wer mehr über die ganze Geschichte wissen will: hier der Link zu einer vorzüglichen Darstellung.

*Thomas Widmer ist Journalist beim „Tages-Anzeiger“. Er schreibt wöchentliche Wanderkolumnen, veröffentlicht Bücher und betreibt den Blog „Widmer Wandert Weiter“.
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Die zugemauerte Eingang zum Staltentunnel in Altbüron. Rechts geht es hinab zu einem Reservoir. In Ebersecken wäre der Zug wieder ans Licht gekommen.

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Strassenunterführung der Langenthal-Wauwil-Bahn, die nie fuhr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Klassiker

Wandern im Napfgebiet – ein Klassiker. Das Napfgebiet bietet jedoch so viele Möglichkeiten, dass auch der Klassiker nie verleidet. Eine dieser Möglichkeiten stelle ich hier vor.

von Corinne Müller*

Wanderroute: Menzberg-Oberlehn-Ober Waldegg-Gmeinalp-Chrotthütte-Stächelegg-Napf

Dauer: drei Stunden

Die Wanderung beginnt mit einer Zugfahrt von Willisau nach Menznau und dort geht es weiter mit dem Postauto nach Menzberg. Wer den Tag gemütlich starten will, fährt bis ins Dorf und geniesst zuerst einen Kaffee auf der Sonnenterrasse des Landgasthes Menzberg. Ansonsten kann das Postauto auch bereits eine Haltestelle vorher, bei Abzweigung Oberlehn verlassen werden.

Danach führt der Wanderweg ohne viel Steigung über Oberlehn-Ober Waldegg bis zur Gmeinalp.

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Blick vom Ober Waldegg in Richtung Gmeinalp

Ebenfalls begehrt ist diese Strecke für Biker. Denn auf diesem Weg befindet sich auch die offizielle Napf-Bike-Route „77“ von Schweiz Mobil.

Nach der Gmeinalp führt der Wanderweg – wenn nicht Weidezeit ist – über einen wunderschönen Feldweg.

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Nach rund 20 Minuten Aufstieg gelangt man zur Chrotthütte. Diese ist während dem ganzen Jahr jeweils am Sonntag von 9 Uhr bis 17 Uhr bewirtet. Picknicken oder Grillieren bei der Hütte ist jederzeit gestattet.

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Blick vom Wanderweg zur Chrotthütte

Ein paar hundert Meter weiter trifft man auf eine weitere, schöne Picknick- und Grillstelle am Bach.

Der weitere Aufstieg lohnt sich. Schon bald wird man mit einem wunderbaren Panorama und einer eindrücklichen Sicht auf die Stächeleggflue belohnt.

Wer eine kleine Stärkung vor dem Gipfelaufstieg benötigt, gönnt sich eine kurze Pause auf der Stächelegg.

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Danach sind es nochmals zirka 25 Minuten bis zum Napf. Die Schweisstropfen werden mit einem einzigartigen 360-Grad-Panorama belohnt. Und spätestens dann ist klar, warum es sich immer wieder lohnt, den Klassiker zu wiederholen.

* Corinne Müller ist Geschäftsführerin Willisau Tourismus