Wo Berner und Luzerner sich die Hände reichen

Vor ein paar Wochen hat der Verein Luzerner Wanderwege seinen neuen Wanderführer herausgegeben. Die CKW unterstützt den Verein als Hauptsponsor. Bereits ist die gedruckte Version vergriffen. Eine Tageswanderung aus der näheren WB-Region stellen wir Ihnen hier vor:

Lüderenalp – Hochänzi – Napf – Holzwäge

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Die Wanderung ist rund 17 Kilometer lang und dauert rund fünfeinhalb Stunden. In stetem Auf und Ab geht es auf dem Höhenweg in Richtung Napf, vorbei an Landwirtschaftsbetrieben, Alpen und Wäldern. Immer wieder kann die grandiose Aussicht in alle Richtungen genossen werden. Zum Schluss steigen wir ab nach Holzwäge im Entlebuch.

Der Link auf der Route Schweizmobil gibt es hier.

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Weitere Infos unter http://www.luzerner-wanderwege.ch.

Biken in und um Menznau

Eine empfehlenswerte Bikeroute-Empfehlung des Menznauers Elias Häfliger (19) mit Start-und Ziel: Kirchenplatz Menznau

Die Tour führt über die Sonnhalde Richtung Geiss. Dort angelangt geht es den Hügi hoch. Danach führt ein Feldweg bis hin zum Galgenwald. Man fährt auf einem Waldweg entlang bis nach Buholz. Anschliessend fährt man auf asphaltierter Strasse bis zum Voremwald und biegt dann links ab Richtung Soppensee. Bei einer Verzweigung fährt man Richtung Soppensee-Wald. Nun fährt man durch den Wald bis nach Tambach. Danach links hoch zum Bauernhof Jungholz. Beim Hof angelangt, geht es den Wald hinunter bis zur Asphaltstrasse. Anschliessend über Blochwil in den Hinterrötelberg. Schlussendlich über das Ried Richtung Herrenwaldstrasse. Im Unterdorf angelangt, geht es zurück zum Kirchenplatz.

Besonders lohnenswert
Die schöne Aussicht vom Galgenberg auf den Soppensee. Viele tolle Feld- und Waldwege.

Dauer und Länge
Die Strecke ist 16 Kilometer lang. Man benötigt rund 60 bis 90 Minuten.

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Im Land der Geländeschikanen

*von Thomas Widmer

Wir sind zu viert, es nieselt, als wir in Romoos, Post aus dem Bus steigen. Ein Startkafi drängt sich auf, das Kreuz hat offen, schön so. Das letzte Mal, als ich dort einkehrte, sassen am Nebentisch Goldsucher: Ein Führer aus der Gegend und Leute aus der Stadt, die unten an einem der Bäche Gold gewaschen hatten; dafür sind die Gewässer am Napf bekannt. Ob das Team reich geworden war, erschloss sich mir nicht. Die Leute sahen jedenfalls zufrieden aus. Als wir wieder ins Freie treten, nässt es immer noch, wir montieren Regenjacken und Hüte und ziehen los, dem Napf entgegen. Der Anfang ist leicht, ein sanfter Aufstieg nach Oberlingetli und Schwändi. Dann eine jener Geländeschikanen, für die das Land am Napf berühmt ist; es ist zerschnitten von tiefen Gräben. Wir müssen hinab zum Goldbach, bevor es wieder aufwärts geht mit uns. Immerhin wird uns dabei warm.

Wie bei Hieronymus Bosch

Wir gehen bald auf einem Höhenzug. Nach dem Breitäbnet, zum Punkt Änzilegi hin, wird der Pfad im Wald plötzlich schmal, die Baumwurzeln im Boden sind glitschig, der Wind rüttelt und schüttelt uns, das ist abenteuerlich – und hiermit kommt in dieser Kolumne der Moment, in dem ich etwas zum Thema Sicherheit sage: Erstens gehe man, schon gar nicht zu dieser Jahreszeit, allein auf solchen Wegen. Und zweitens gibt es Alternativen: Wer von Romoos her via Holzwäge und Goldsitenegg oder von Menzberg her via Oberwaldegg und Gmeinalp läuft, gelangt einfacher, ja problemlos auf den Napf.

Bei der Stächelegg wieder einmal Staunen über den gewaltigen Geländeabbruch zur Rechten, diesen Teufelskessel der Natur. Nebelfetzen steigen aus der Tiefe auf, glatt geschmirgelt wirkten die senkrechten Fluhen, der Abgrund wirkt wie von Hieronymus Bosch ersonnen. Im Sommer würden wir gruselnd verweilen, doch eben, es ist kalt, und so gehen wir zügig weiter. Kurz darauf schält sich ein verwitterter Holzkasten aus dem Nebel: das Gipfelgasthaus auf dem Napf. Wir treten ein, freuen uns: Wir sind allein in der Wirtschaft!

Okay, ich gebe es zu, der letzte Satz war gelogen. Man ist auf dem Napf eigentlich nie allein, der Berg geniesst die kultische Verehrung der Wanderer ebenso wie der Biker, er zieht viel Volk an bei jedem Wetter. Immerhin sitzen da ausnahmsweise nicht allzu viele Leute. Wir nehmen eine Schweinsbratwurst mit Pommes frites und hernach die Meringue. Dann einen Kafi Schnaps, einer liegt drin, mehr nicht, denn im Folgenden ist Trittsicherheit gefragt.

Klein Einsiedeln im Luzernischen

Kupiert der Schlängelweg durch den Wald hinab zur Trachselegg. Und wieder die Sicht auf benachbarte Eggen und offene Nagelfluh und alles im verzaubernden Dunst. Gegen das Mittelland zu ist der Horizont offen. Mitteley, Vorey, dann langen wir in Luthern Bad an. Wann der Bus zum Bahnhof Zell fährt, haben wir im Voraus geklärt und dabei Zeit für eine Schlusseinkehr eingeplant. Sowie für die Visite in der Kirche Maria Heilbronn. Sie ist ein Wallfahrtsziel, wie überhaupt Luthern Bad als Einsiedeln des kleinen Mannes, der kleinen Frau gilt; an jenem Schwyzer Vorbild misst man sich. Die hübsche Geschichte dazu: Als in Luthern Bad vor mehreren Hundert Jahren die heilsame Quelle zu fliessen begonnen habe, soll in Einsiedeln das Wasser aus einer der 14 Brunnenröhren versiegt sein.

++ Route: Romoos, Post (Bus ab Bahnhof Wolhusen) – Weierhüsli – Oberlingetli – Schwändi – Goldbach – Unterlänggrat – Oberlänggrat – Breitäbnet – Änzilegi – Stächelegg – Napf – Alp Trachselegg – Mitteley – Luthern Bad (Bus nach Zell, Bahnhof; unbedingt Fahrplan konsultieren, wenige Kurse!).

Wanderzeit/Höhendifferenz: 4 3/4 Stunden. 862 Meter aufwärts, 774 Meter abwärts. GPX-Datei hier. Im Unterschied zu dieser Hauptvariante sind die beiden folgenden Varianten erstens etwas kürzer und zweitens technisch einfacher.

Variante 1: Romoos – Weierhüsli – Säumettle – Fuchsenegg – Holzwäge – Goldsitenegg – Änzihüsli – Oberänzi – Änzilegi. Ab hier wie in der Hauptvariante zum Napf und hinab nach Luthern Bad. Total 4 1/4 Stunden. 757 Meter aufwärts, 675 Meter abwärts. GPX-Datei hier.

Variante 2: Menzberg – Oberlehn – Oberwaldegg – Gmeinalp – Chrothütte – Stächelegg. Ab hier wie in der Hauptvariante zum Napf und hinab nach Luthern Bad. Total 4 Stunden. 609 Meter aufwärts, 746 Meter abwärts. GPX-Datei hier.

Wanderkarte: 234 T Willisau, 1:50’000.

Charakter: Grandioses Hügelland mit nicht zu unterschätzenden Passagen, steil, kupiert, glitschig. Auf keinen Fall weiche man vom Weg ab, gefährliche Tobel.

Höhepunkte: Die urweltliche Stächeleggfluh. Die Ankunft auf dem Napf, die Meringue im Gasthaus. Kinder: Machbar, doch muss man sie beaufsichtigen.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Romoos, Kreuz: Mo Ruhetag. Napf, Gipfelgasthaus: Bis Ende November durchgehend offen, danach Mo Ruhetag. Luthern Bad, Hirschen: Mo Ruhetag.

*Thomas Widmer ist Journalist beim „Tages-Anzeiger“. Er schreibt wöchentliche Wanderkolumnen, veröffentlicht Bücher und betreibt den Blog „Widmer Wandert Weiter“.

Bahndorf ohne Bahn

von Thomas Widmer*

Ich mag Ausflüge mit einem Ziel, über das man zuvor einiges in Erfahrung gebracht und gelesen hat. Am Sonntag fuhr ich nach Altbüron und beschaute mir dort die Reste der Langenthal-Wauwil-Bahnlinie; diese Bahn, wohlgemerkt, fuhr nie. 1874 begann die Schweizerische Centralbahn mit den Bauarbeiten, die neue Verbindung hätte die Strecke Bern-Luzern entscheidend verkürzt. Ein Jahr später stellte man die Arbeiten aber schon wieder ein, schuld waren unter anderem Finanzierungsprobleme. Da war der Staltentunnel zwischen Altbüron und Ebersecken bereits auf 1300 von 2100 Metern gegraben. Auf der Seite von Altbüron sieht man den vermauerten Tunneleingang, daneben führt eine Treppe zu einem Wasserreservoir. Des weitern ist am Dorfrand deutlich der alte Bahndamm zu erkennen. An einer Stelle führt er über eine Strasse, die fein manierlich in einer Unterführung verschwindet. Interessant, Altbüron ist ein Bahndorf ohne Bahn. Wer mehr über die ganze Geschichte wissen will: hier der Link zu einer vorzüglichen Darstellung.

*Thomas Widmer ist Journalist beim „Tages-Anzeiger“. Er schreibt wöchentliche Wanderkolumnen, veröffentlicht Bücher und betreibt den Blog „Widmer Wandert Weiter“.
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Die zugemauerte Eingang zum Staltentunnel in Altbüron. Rechts geht es hinab zu einem Reservoir. In Ebersecken wäre der Zug wieder ans Licht gekommen.

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Strassenunterführung der Langenthal-Wauwil-Bahn, die nie fuhr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Klassiker

Wandern im Napfgebiet – ein Klassiker. Das Napfgebiet bietet jedoch so viele Möglichkeiten, dass auch der Klassiker nie verleidet. Eine dieser Möglichkeiten stelle ich hier vor.

von Corinne Müller*

Wanderroute: Menzberg-Oberlehn-Ober Waldegg-Gmeinalp-Chrotthütte-Stächelegg-Napf

Dauer: drei Stunden

Die Wanderung beginnt mit einer Zugfahrt von Willisau nach Menznau und dort geht es weiter mit dem Postauto nach Menzberg. Wer den Tag gemütlich starten will, fährt bis ins Dorf und geniesst zuerst einen Kaffee auf der Sonnenterrasse des Landgasthes Menzberg. Ansonsten kann das Postauto auch bereits eine Haltestelle vorher, bei Abzweigung Oberlehn verlassen werden.

Danach führt der Wanderweg ohne viel Steigung über Oberlehn-Ober Waldegg bis zur Gmeinalp.

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Blick vom Ober Waldegg in Richtung Gmeinalp

Ebenfalls begehrt ist diese Strecke für Biker. Denn auf diesem Weg befindet sich auch die offizielle Napf-Bike-Route „77“ von Schweiz Mobil.

Nach der Gmeinalp führt der Wanderweg – wenn nicht Weidezeit ist – über einen wunderschönen Feldweg.

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Nach rund 20 Minuten Aufstieg gelangt man zur Chrotthütte. Diese ist während dem ganzen Jahr jeweils am Sonntag von 9 Uhr bis 17 Uhr bewirtet. Picknicken oder Grillieren bei der Hütte ist jederzeit gestattet.

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Blick vom Wanderweg zur Chrotthütte

Ein paar hundert Meter weiter trifft man auf eine weitere, schöne Picknick- und Grillstelle am Bach.

Der weitere Aufstieg lohnt sich. Schon bald wird man mit einem wunderbaren Panorama und einer eindrücklichen Sicht auf die Stächeleggflue belohnt.

Wer eine kleine Stärkung vor dem Gipfelaufstieg benötigt, gönnt sich eine kurze Pause auf der Stächelegg.

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Danach sind es nochmals zirka 25 Minuten bis zum Napf. Die Schweisstropfen werden mit einem einzigartigen 360-Grad-Panorama belohnt. Und spätestens dann ist klar, warum es sich immer wieder lohnt, den Klassiker zu wiederholen.

* Corinne Müller ist Geschäftsführerin Willisau Tourismus

Auf Baumstämmen hüpfen und am Holzbalken balancieren

von Lars Limacher

An dieser Stelle wird eine Route vorgestellt, die praktisch allen Outdoor-Freaks gerecht wird: Ob Spaziergänger, Ausdauerläufer oder Leistungssportler: Der Vita-Parcours im Willisauer Hirseren-Wald hält für jedermann etwas bereit. Bevor wir uns auf den Parcours begeben, wird kurz auf die Geschichte des Vita-Parcours eingegangen.

Länge: 2,4 Kilometer
Zeitbedarf: mit Übungen rund eine Stunde, ohne Übungen 15 Minuten

Die «Zürich Vita-Parcours» wurden im Jahre 1968 von einer Zürcherin ins Leben gerufen. In der Zwischenzeit gibt es schweizweit rund 500 Vitaparcours, einer davon ist in Willisau. Im Jahre 1993 wurde die Stiftung VITA Parcours gegründet. Gemeinsam mit den Trägerschaften – Gemeinden, Vereinen und privaten Organisationen – koordiniert sie den Unterhalt des Parcours. Die Idee hinter dem Vitaparcours ist die Förderung des Breitensports, Ausbau der Gesundheitsprävention und Entwicklung des Familien- und Naturerlebnisses. Im Folgenden wird der 2,4 km lange Vita-Parcours inklusive der 15 Stationen aus Sicht eines ambitionierten Durchschnittssportlers beschrieben. Die Posten sind jeweils in drei Farben unterteilt. Rot steht für Kraftübung, Gelb für Beweglichkeit und Blau für Ausdauertraining.

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Startpunkt ist der Fussgängerstreifen beim Gemeindehaus Willisau. Von da aus nehmen wir das rechte Trottoir und marschieren so lange den Berg hinauf, bis ein kurzer, steiler Weg rechts Richtung Obergeissburg führt. Wir gehen den Weg hinauf, nehmen die Treppe und laufen anschliessend noch ca. 60 Meter Richtung Waldeingang. Dort ist der Start des Vitaparcours. An dieser Stelle gilt ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Strecke vom Gemeindehaus bis zum Start des Vitaparcours im normalen Sparziergängertempo zurückgelegt werden muss. Euer Herzkleislaufsystem und die Waden werden es euch danken. Es sei denn, ihr trainiert für den nächsten Iron-Man auf Hawaii.

Die ganze Strecke ist mit Pfeilen und Wegweisern beschriftet. Diese sind nötig, weil man bei den unzähligen Waldpfaden schnell auf eine falsche Fährte gelangen könnte. Aber nun geht’s los. Wir joggen den gekennzeichneten Weg entlang und erreichen nach 100 Meter den ersten Posten. Er ist gelb markiert. Sauber absolviere ich die Einwärmübungen und jogge weiter. Links führt der Weg weiter und es folgt die erste Steigung. Tipp: Nicht zu schnell hinaufkrakseln, die „Alpe d’Huez des Willisauer Vita-Parcours“ kommt erst noch. Oben angekommen wartet wieder ein gelber Posten: Zweite Einwärmübung. Anschliessend folgt ein längeres Stück geradeaus, bis wir am dritten Posten ankommen. Froschhüpfen und eine Gleichgewichtsübung sind angesagt. Nach der Übung ist bereits ein erstes Mal richtig Durchatmen angesagt. Weiter gehts. Vorbei an einem Picknickplatz kommen wir auf eine breitere Waldstrasse. Es geht wieder etwas bergauf bis wir zu Posten 4 gelangen: Klimmzüge. An die zehnmal ziehen wir den Körper die Stange hoch, bis die Oberarmmuskeln uns im Stich lassen. Nach dem Posten heisst es tief Luft holen. Die eben erwähnte Bergprüfung Alpe d’Huez steht an (diese gehört nicht zu den 15 Stationen): Eine Holztreppe mit unterschiedlich langen Tritten. Ohne Halt nehmen wir jeden Tritt einzeln. Oben auf dem breiten Feldweg angekommen, liegt der Puls bei 180. Eine mittellange Pause wird eingelegt. Zeit um einem Fussgänger oder einer Walking-Truppe zu begegnen. Nachdem sich der Puls wieder normalisiert hat, absolvieren wir die Beweglichkeitsübungen bei der 5. Station. Der 6. Posten folgt unmittelbar 50 Meter danach. Genau lesen wir die Anweisungen durch und schwingen an den Ringen im Kreis herum. Wir joggen weiter auf dem schmalen Weg bergauf und wieder bergab, bis wir den 7. Posten erreichen. An einem Barren kräftige ich meinen Rumpf und die Arme nur so lang, bis ich mich nicht mehr halten kann. Halbzeit. Bislang sind 7 der 15 Übungen absolviert. Bei der vorgegebenen Anzahl Wiederholungen haben wir immer mehr gemacht, als vorgeschrieben war.

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Nach einem kurzen Teilstück bergauf kommen wir wieder auf einen breiteren Weg. Bei Posten 8 stossen wir auf abgestumpfte Baumstämme, an denen wir unsere Ausdauer trainieren können. Die Reise geht weiter durch den Wald und nach ca. 150 m wartet der 9. Posten. Auf einer Holzbank kräftigen wir unseren Rumpf. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Posten 10 folgt kurz darauf und liegt etwas abseits der Strecke links im Wald. Hier trainieren wir unsere Ausdauer mittels Sprüngen an Ort und Stelle. Der 11. Posten folgt sogleich. An einer Art «Holzreck» stemmen wir unser Körpergewicht zehnmal in die Höhe. Die Kräfte schwinden langsam. Doch das Ende naht und so joggen wir weiter. Wichtig: Wir bleiben nicht auf dem breiten Waldweg sondern biegen zweimal links ab, bis wir wieder auf einem schmaleren Waldweg sind. Beim 12. Posten sind Liegestützen angesagt. Als ob wir unsere Oberarme nicht schon genug strapaziert hätten, beissen wir uns durch die Übung. Es geht weiter. Nach kurzem Tritt kommen wir zu Posten 13. Ein Posten, dessen Sinn und Zweck nicht hinterfragt werden sollte. Holzstangen sind ausgesteckt wie bei einem Slalom im Ski-Weltcup. Nur mühevoll schlängeln wir uns durch die Stangen und versuchen, keine von ihnen zu touchieren. Danach ist es nicht mehr weit bis ins Ziel. Vorbei an Farnen biegen wir ein letztes Mal rechts ab und kommen zum zweitletzten Posten. Er ist gelb gekennzeichnet. Ich balanciere auf dem Holzbalken vorwärts und rückwärts und mache abschliessend noch die «Standwaage». Jetzt geht’s nur noch bergab ab und wir sind am Ziel. Die Dehnübungen am letzten Posten machen wir natürlich auch noch. Schliesslich möchten wir keine Verletzungen davontragen.

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Die Lauffreude entdecken

In vielen Städten gibt es Lauftreffs, wo man sich einer Laufgruppe anschliessen kann. In der Zentralschweiz zurzeit an 33 Standorten. Ziel des Angebots: Die Teilnehmer zur sportlichen Aktivität zu motivieren und so den Laufsport als Breiten- und Gesundheitssport zu fördern. Auch Grosswangen bietet einen Lauftreff.

von Flavia Baumeler

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Der Lauftreff Grosswangen bietet ab kommendem April bereits zum elften Mal einen kostenlosen Joggingkurs für (Wieder-)Einsteiger an. Leonie Wirz (42 Jahre) hat vor zehn Jahren den Einsteigerkurs des Lauftreffs Grosswangen besucht, Erika Hofstetter (47 Jahre) sammelte erste Jogging-Erfahrungen im letztjährigen Kurs. Die beiden Frauen entdeckten während zehn geleiteten Trainings eine neue Leidenschaft, die bis heute anhält. Leonie Wirz ist nun gar Mitglied im Leiterteam des Lauftreffs. Die Sportlerinnen verraten hier, was ihre „Rennkarriere“ ins Rollen brachte und weshalb die Begeisterung fürs Joggen nicht nachlässt.

Was waren Ihre Beweggründe, den Einsteigerkurs in Grosswangen zu besuchen?

Leonie Wirz: Ein halbes Jahr nach der Geburt meines zweiten Kindes wollte ich wieder sportlich aktiv sein. Vorher gehörte Reiten zu meinen Hobbies, aber das war mir mit der Familie zu aufwendig. Joggen hingegen ist als Mutter und berufstätige Frau ideal für mich: Ich kann jederzeit vor der Haustür losrennen und benötige keine teure Ausrüstung.
Erika Hofstetter: In den letzten Jahren sind immer wieder viele Läufer und Läuferinnen an unserem Bauernhof auf dem Wellberg vorbei gerannt. Diese sportlichen Leute haben mich inspiriert. Um auch mal so locker und leicht über die Hügel zu rennen, habe ich im vergangenen Frühling den Kurs besucht. Ich bin drangeblieben und absolviere deshalb meine Joggingrunden je länger, desto müheloser.

Wovon konnten Sie als Kursteilnehmerin am meisten profitieren?

Leonie Wirz: Uns Neo-Lauffreudigen wurden sehr viele Infos vermittelt, etwa über Lauftechnik, Körperhaltung, Trainingsaufbau, Ernährung und insbesondere über gelenkschonendes Joggen. Die Praxis stand aber ganz klar im Zentrum. Ich erinnere mich, dass ich am ersten Kurstag im Jahr 2006 fünf Minuten am Stück rannte. Zehn Wochen später joggte ich während 45 Minuten ohne Unterbruch durch den Wald. Solche Fortschritte beflügeln! Zudem wurde mir erneut bewusst, wie entspannend Bewegung draussen in der Natur wirkt – und das (erst recht) bei jedem Wetter. Und ich durfte in der Jogginggruppe neue Kontakte und Freundschaften schliessen.
Erika Hofstetter: Der Einsteigerkurs ist enorm gut aufgebaut. Auch Leute, die vor Kursbeginn noch nicht oder schon länger nicht mehr sportlich aktiv waren, werden optimal aufs ausdauernde Laufen vorbereitet. Deshalb war kein (untrainierter) Teilnehmer überfordert und die ganze Gruppe konnte Erfolgserlebnisse verbuchen. Ausdauer, Fitness und Wohlbefinden wurden gleichermassen gesteigert. Dazu hat sicherlich auch die gute Kameradschaft untereinander beigetragen.

Trainieren Sie heute noch mit dem Lauftreff in Grosswangen?

Leonie Wirz: Ja. Seit zwei Jahren gebe ich meine Erfahrungen auch als Leiterin in unterschiedlichen Leistungsgruppen weiter.
Erika Hofstetter: Ja, auch ich schätze die regelmässigen Trainingseinheiten in der Gruppe.

Sie rennen nach wie vor motiviert und regelmässig mit dem Lauftreff. Weshalb können Sie „durchhalten“ und lassen wöchentliche Joggingrunden nicht beim guten Vorsatz bleiben?

Leonie Wirz: Für mich gibt es nicht den einen Motivationskick, um zu trainieren. Ich habe mehrere gute Gründe: Natur erleben, mich bewegen, fit sein, interessante Diskussionen mit Gruppenmitgliedern. Eine leistungsgruppe ist bezüglich Geschlecht, Alter oder Beruf sehr durchmischt. Wenn eine 20jährige Studentin mit einem 65jährigen ehemaligen Handwerker ins Gespräch kommt, ist das für alle Beteiligten eine grosse Bereicherung. Nicht immer ist derselbe Beweggrund ausschlaggebend, damit ich die Joggingschuhe schnüre. Je nach Verfassung motiviert mich ein anderes Ziel, um loszurennen.
Erika Hofstetter: Bei mir ist es ganz ähnlich. Ich möchte noch ergänzen, dass ich beim Joggen durch Felder und Wälder ein besonderes Gefühl von Freiheit erlebe, das nur beim Rennen entsteht.

Laufen Sie lieber in der Gruppe oder alleine?

Leonie Wirz: Ich trainiere viel lieber in der Gruppe und mit fixen Trainingsterminen. Ich bin deshalb selten alleine rennend unterwegs.
Erika Hofstetter: Bei mir ist das unterschiedlich. Im Winter bevorzuge ich Gruppentrainings. Im Sommer geniesse ich es, ab und zu alleine zu joggen. Wenn es heiss ist, bevorzuge ich den ganz frühen Morgen, um zu trainieren. Wenn meine Kinder aufstehen, bin ich dann bereits wieder zurück im Haus und bereite das Frühstück vor. Ein solch schwungvoller Start in den Tag ist pures Glück. Mein Mann und ich bewirtschaften einen Hof. Abhängig davon, welche Arbeiten anstehen, besuche ich die fixen Gruppentrainings oder jogge alternativ alleine.

Wo trainieren Sie am liebsten?

Leonie Wirz: Oftmals bringen mich unsere beiden Hausberge zum „Leiden“: Runningrouten auf den Leidenberg oder auf den Wellberg sind meine Favoriten. Grosswangen und das ganze Hinterland sind ein wunderschönes „Jogginggebiet“. Hier muss niemand zuerst ins Auto steigen, bevor es los geht. Unzählige schöne „Wegli“ kenne ich in Grosswangen einzig auf Grund der Trainings mit dem Lauftreff.
Erika Hofstetter: Hauptsache, ich kann im Wald oder auf Naturstrassen joggen. Asphaltierte Strassen vermeide ich.

Wie fühlen Sie sich nach einem Training?

Leonie Wirz: Wenn ein stressiger Arbeitstag hinter mir liegt und ich den Kopf voll habe, bin ich nach einer Laufeinheit erholt und entspannt.
Erika Hofstetter: Ich kann den Kopf durchlüften und fühle mich anschliessend zufrieden und „happy“. Seitdem ich regelmässig laufe, leide ich zudem weniger unter Migräne.

Beschreiben Sie kurz eine typische Trainingswoche von Ihnen.

Leonie Wirz: Ich trainiere in der Regel montags und donnerstags mit dem Lauftreff, teilweise zusätzlich samstags.
Erika Hofstetter: Ich laufe ebenfalls gewöhnlich am Montag und am Donnerstag in einer Lauftreff-Gruppe mit. Mein Ziel ist es, mindestens einmal wöchentlich meine Laufschuhe zugebrauchen.

Der nächste Joggingkurs für (Wieder-)Einsteiger, bestehend aus zehn Lektionen, beginnt am 7. April 2016 und findet jeweils am Donnerstag von 19.00 bis 20.00 Uhr statt. Der Kurs ist gratis, frühzeitige Anmeldung ist erwünscht. Angemeldete Personen erhalten rechtzeitig ein detailliertes Kursprogramm. Anmeldung bei Luzia Holzmann (041 980 00 81; luzia.holzmann@bluewin.ch) oder bei Sepp Baumeler (041 980 24 79; sepp.baumeler@gmx.ch). Im Mai beginnt ein Nordic Walking-Kurs. Auskunft erteilt: Robi Businger (041 980 26 48; robertbusinger@bluewin.ch)

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